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Bodewig-Museum > Geschichte bis 1945
Robert Bodewig, seit 1896 Vorsitzender des Vereins, verfügte allem Anschein nach über ein Charisma, dem sich viele nicht entziehen konnten. Seine Aufrufe stießen auf ein lebhaftes Echo nicht nur bei wohlhabenden Mitbürgern. Der "Museumsfonds" wuchs an durch viele kleine und etliche große Spenden.
Unter den großen Spendern waren die Oberlahnsteiner Industriellen Kommerzienrat Schroeder, Fabrikdirektor Stadelmann (um nur die heute noch bekannten zu nennen) und vor allem Kommerzienrat Anton Lessing.
Kommerzienrat
Anton Lessing
geb. 21. Mai 1840 in Mühlhausen (Franken)
gest. 3. April 1915 in Oberlahnstein
Die reichen Industriellen und Kaufleute hatten als Mäzene den Adel früherer Jahrhunderte abgelöst. Ihnen war es eine Selbstverständlichkeit, einen Teil ihres Reichtums zu spenden. Eine gewisse Eitelkeit darf dabei ruhig unterstellt werden.
Das wohl berühmteste Beispiel dieses "social sponsoring" ist das "Deutsche Museum" in München, das von dem Industriellen Oskar von Miller (1855-1934) initiiert und großzügig gesponsert wurde.
Diese Einstellung ist heute - auch wegen gesetzlicher Hindernisse - in Deutschland nicht sehr stark entwickelt. In den Vereinigten Staaten ist sie vorbildlich ausgeprägt getreu der Maxime:
Wer an der Gesellschaft verdient,
hat die moralisch-ethische Verpflichtung,
davon etwas an die Gesellschaft zurück zu geben.
Auf diese Weise konnte der Verein innerhalb weniger Jahre ein ansehnliches Grundkapital ansammeln.
Transkription:
Oberlahnstein, den 19. März 1907
Bürgermeister-Amt
Oberlahnstein
Herrn Dr. Bodewig versprach ich
einen Beitrag von 1500 Mark zum
Museumsbau. Zur Erledigung
überreiche anbei 2 preuß. Consols
3 ½ %-ige à M 1000 nominal,
die für besagten Baufonds zu v
erwenden bitte
Hochachtungsvoll
Anton Lessing
Den Empfang der vorstehenden
bezeichneten 2000 M, zweitausend
Mark, in preuß. Consols mit
Coupons und Talons bescheinige ich
hiermit
Oberlahnstein, den 22. März 1907
Dr. Bodewig.